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"Kör honom med sitt anhang ut"
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Seite 1 von 1

Autor:  atk [ Freitag 25. November 2011, 09:48 ]
Betreff des Beitrags:  "Kör honom med sitt anhang ut"

Weil das Thema "sin" vs. "hans/hennes" in einem anderen Thread gerade zur Sprache gekommen ist, fällt mir etwas ein, was mich schon länger beschäftigt:
In Bellmans sång 21 ("Måltidssång") heißt es in der vorletzten Strophe: Kör honom med sitt anhang ut, was ich als "Wirf ihn samt seinem Anhang raus" übersetzen würde. Mein Gefühl sträubt sich deutlich gegen das "sitt" in diesem Satz und hätte da gerne ein "hans". Ich denke, der, um dessen Anhang es geht, ist doch der, der mit dem "honom" gemeint ist, und das ist keinesfalls das Subjekt des Satzes. Oder seh ich da etwas falsch?

Autor:  Vorbeipassierend [ Freitag 25. November 2011, 11:19 ]
Betreff des Beitrags:  Re: "Kör honom med sitt anhang ut"

Ich bin ganz Deiner Meinung :-)

Autor:  Schwede [ Freitag 25. November 2011, 17:58 ]
Betreff des Beitrags:  Re: "Kör honom med sitt anhang ut"

atk hat geschrieben:
Weil das Thema "sin" vs. "hans/hennes" in einem anderen Thread gerade zur Sprache gekommen ist, fällt mir etwas ein, was mich schon länger beschäftigt:
In Bellmans sång 21 ("Måltidssång") heißt es in der vorletzten Strophe: Kör honom med sitt anhang ut, was ich als "Wirf ihn samt seinem Anhang raus" übersetzen würde. Mein Gefühl sträubt sich deutlich gegen das "sitt" in diesem Satz und hätte da gerne ein "hans". Ich denke, der, um dessen Anhang es geht, ist doch der, der mit dem "honom" gemeint ist, und das ist keinesfalls das Subjekt des Satzes. Oder seh ich da etwas falsch?

Etwas Ähnliches findet man in diesem Gesetzestext aus dem 18. Jahrhundert:

Zitat:
Giör mannen hor, och wil hustrun ej förlåta honom brott sitt, och hafwer hon ej haft sängelag med honom, sedan thet henne kunnigt blef; tå må skilnad i ächtenskapet ske, och hafwe han til henne förwärkadt hälften af sin giftorätt i boet.

Autor:  atk [ Freitag 25. November 2011, 19:15 ]
Betreff des Beitrags:  Re: "Kör honom med sitt anhang ut"

Vorbeipassierend hat geschrieben:
Ich bin ganz Deiner Meinung :-)

Danke, dann bin ich ja beruhigt. :)

Gesetzestext aus dem 18. Jahrhundert hat geschrieben:
och wil hustrun ej förlåta honom brott sitt

Das ist ja interessant. Offenbar folgte der Gebrauch von sin/sitt zu dieser Zeit (in der ja auch Bellman lebte) noch anderen Regeln als heute.
Heute würde man den Satz doch so verstehen, dass die Frau dem Mann ein Vergehen, das sie selbst begangen hat, nicht verzeiht (was irgendwie unsinnig ist), oder?

Autor:  paulderfinne [ Donnerstag 29. Dezember 2011, 12:41 ]
Betreff des Beitrags:  Re: "Kör honom med sitt anhang ut"

Ja, das ist wirklich interessant.

Ich denke, das ist der Einfluss des Deutschen zu dieser Zeit. Die Verwendung der reflexiven Pronomina ist eine uralte (Nord-)germanische Erscheinung.
Übrigens führte diese zum sogenannte Mediopassiv, der heute noch im schwedischen Passiv und im sog. Deponens zu sehen ist.
(Passiv: Båten styrs av kaptenen. Deponens: Jag hoppas att du kommer )

Es gab im 19. Jahrhundert (Nationalromantik) durchaus Bestrebungen, die schwedische Sprache von den Germanismen zu "säubern". Wenngleich der Erfolg mäßig blieb, gelangen doch einige Rückführungen. Einer der großen Betreiber war Viktor Rydberg. Könnte sein, dass wir es damit zu tun haben.

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